Phänomenologische Untersuchungen - LU (alle)

Devino M., Montag, 28. August 2017, 01:07 (vor 357 Tagen)

Logische Untersuchungen - Edmund Husserl - 2B.II.4K.§31
Die Hauptrolle der aufgewiesenen Verirrungen

Es wäre zu weit gegangen, würde man Locke und Berkeley den Vorwurf machen, sie hätten den deskriptiven Unterschied zwischen der Einzelidee in der individuellen Intention und derselben Einzelidee in der allgemeinen Intention (als Fundament eines begrifflichen Bewusstseins) ganz übersehen. Dass der "Geist" es ist, der ihnen stellvertretende Funktion verleiht, dass er die erscheinenden Einzelheiten als Repräsentanten verwendet, wird uns in verschiedenen Wendungen versichert; und dass diese Geistestätigkeiten bewusste sind und somit in die Sphäre der Reflexion fallen, würden diese großen Denker sicherlich zugestanden haben. Ihre fundamentalen erkenntnistheoretischen Irrtümer oder Unklarheiten erwachsen aber aus einem bereits oben bloßgelegten Motiv; nämlich daraus, dass sie sich bei der phänomenologischen Analyse fast ausschließlich an das anschauliche Einzelne, sozusagen an das Greifbare des Denkerlebnisses halten, an die Namen und die exemplifizierenden Anschauungen, während sie mit den Aktcharakteren, eben weil sie nichts Greifbares sind, nichts anzufangen wissen. Immerfort suchen sie daher nach irgendwelchen weiteren sinnlichen Einzelheiten und irgendwelchen sinnlich vorstellbaren Hantierungen an denselben, um dem Denken die Art der Realität zu geben, für die sie voreingenommen sind und die es im wirklichen Phänomen nun einmal nicht zeigen will. Man bringt es nicht über sich, die Denkakte als das zu nehmen, als was sie sich rein phänomenologisch darstellen, sie somit als völlig neuartige Aktcharaktere gelten zu lassen, als neue "Bewusstseinsweisen" gegenüber der direkten Anschauung.
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Man kann vielen vieles nicht wirklich verübeln, jedenfalls sofern sie es nach ihren Möglichkeiten ernstlich und aufrichtig angehen. Es hat mit jeweiligem Entwicklungsstand durchaus mal zu tun. Somit heißt es nicht gleich, was einem einleuchtend ist oder leicht fällt, dass es in gleicher Weise für jedermann sonst auch gilt.

Je nach Art, z.B. der einströmenden Emotionen oder einwirkenden Gedanken, kann einer agieren, sie sondern und in der einen oder anderen Weise verarbeiten, und dann entsprechend intelligent agieren. Ein anderer kann durch selbiges überfordert sein. Und noch ein anderer kann vielleicht bloß automatisiert darauf anspringen und reagieren, ohne selber irgend etwas anders machen zu können.

All so verhält es sich auch mit allerlei Lehren, jeder lehrt was er lernt oder bereits gelernt hat. Wenn es denn ein Lehren auch ist.

Man kann manches wie es der Geist oder auch das Selbst ist, oft nicht gewahren. Jedenfalls solange man in keiner dafür geeigneten oder begünstigten Stellung sich befindet. Doch an der Reflexion ließe sich einiges ableiten.

Vergleichbar mit dem, was auf einen einwirkt, von dem, wofür sich selber manche mit ihren Lieblingssynergien gleichsetzen, und dem was ausgeht, wessen Gewahrsein erst durch Reflexion oder Widerspiegelungen sich erschließen kann. Dabei hat letzteres meist weit mehr mit einem zu tuen und steht zu einem in einer zu direkten Verbindung vielleicht nur, als dass man es überhaupt wahrnehmen könnte.

So ist es auch mit der Phänomenologie des Geistes darum ähnlich bewandt. Manches kann man nur annehmen und voraussetzen, und so damit arbeiten als ob es in lebendig vertretener Form da wäre. Trifft man die richtigen Punkte (und sei es mit etwas Glück, sofern man in keiner begünstigten Stellung dazu wäre), dann zeigt es sich irgendwo, wenn man der Reflexion Gelegenheit gibt dieses zu zeigen...


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